Grundwissen - Barfen (von Kirsten Cordes)

Der Begriff Barfen ... bedeutet soviel wie:

Biologische Artgerechte Roh Fütterung

Barfen heißt, sich darum zu bemühen, die Ernährung der Tiere so naturnah und artgerecht wie möglich zu gestalten. Allerdings bedeutet es nicht, einfach rohes Fleisch in die Näpfe zu geben…

Barfen ist aber auch nicht unbedingt eine hochkomplizierte Wissenschaft, in die man sich jahrelang einarbeiten muss, wenn man seinen Tieren Mangelerscheinungen ersparen möchte.

Es gibt auch nicht DAS Barfen. Man kann ab und zu mal ein paar Häppchen Rohfleisch füttern (zum Beispiel für die Zahnhygiene) oder seine Tiere zu 100% roh ernähren. Da gibt es große Unterschiede.

Viele Tierhalter kommen leider erst auf die Rohfütterung, wenn Krankheiten bei ihren Tieren diagnostiziert wurden, bei denen man Bestandteile des Fertigfutters als (Mit-)Ursache vermutet und dieses demnach als Nahrung nicht mehr in Frage kommt. Mittlerweile liest man in Foren und Newsgroups immer häufiger davon, dass Barfen eine Ernährungsvariante ist, die ihren Platz neben Dosen- und Trockenfutter immer selbstverständlicher einnimmt. Viele Katzenhalter schrecken allerdings aus verschiedenen Gründen zunächst geradezu davor zurück, sich näher mit dieser Thematik auseinander zu setzen. Ekel vor rohem Fleisch kann hier ebenso eine Rolle spielen, wie (weitgehend unbegründete) Angst vor Salmonellen und anderen Krankheitserregern oder die Furcht, etwas falsch zu machen und dem Tier damit zu schaden. Auf einige dieser Punkte werden wir später eingehen.

Kleines Barfen“: Es gilt die Faustregel, dass bei Rohfütterung, die bis zu 20% der Ernährung ausmacht, nicht supplementiert, also nachträglich ergänzt werden muss. (Nähere Erläuterung zum Supplementieren siehe unten.), sofern die sonstige Ernährung alle notwendigen Nährstoffe enthält. Dies ist bei den meisten industriellen Futtern weitgehend der Fall.

Grosses Barfen“ Will man über 20 % roh füttern, sollte man sich sehr ausgiebig mit dem Thema Supplemente beschäftigen. Das wirkt auf den ersten und zweiten Blick sehr kompliziert. Auf den dritten Blick kapiert man es langsam.
Will man Mangelerscheinungen vermeiden, kommt man leider nicht drum herum: Im Fleisch, das wir beim Metzger oder im Supermarkt kaufen ist nämlich leider nicht alles, was unsere Katzen zum Leben brauchen. Die meisten industriellen Dosenfutter enthalten solche Zusätze. Daher ist eine Supplementierung auch erst bei einer Rohfuttermenge nötig, die mehr als 20 % der Ernährung des Tieres ausmacht.

Pro BARF:
• Die Verdauung unserer Katzen ist auf rohes Fleisch (Beutetiere) ausgelegt.
• Manche Inhaltsstoffe gehen durch die industrielle Fertigung und das Erhitzen kaputt oder sind schlechter verwertbar für die Tiere.
• Man weiß relativ genau, was in dem Futter drin ist, das man seinen Tieren anbietet.
• Man kann auf individuelle Besonderheiten der Katzen beim Futter eingehen (z.B. Allergien).
• Durch das Kauen der rohen Fleischstücke werden die Zähne der Tiere auf natürliche Art gepflegt. Zahnstein und Zahnfleischentzündungen wird somit vorgebeugt.
• Das Katzenklo riecht weniger unangenehm und die Verdauung der Tiere pendelt sich auf ein natürliches Maß ein. Man braucht somit auch weniger Streu.
• Es ist einfach ein toller Anblick, wenn die Katzen sich über ein saftiges rohes Stück Fleisch hermachen und man spart sich das Eintrittsgeld für den Zoo… Tigerfütterung hat man zuhause

Contra BARF:
• Es ist etwas aufwendiger als Dosenfutter. Man muss etwa einmal pro Woche einkaufen, Fleisch klein schneiden, Portionsweise abfüllen und einfrieren. Jeden Tag eine Portion auftauen und – falls man mehr als 20% barft - die Supplemente hinzufügen.
• Es kann etwas teurer sein als Dosenfutter, aber wenn man mit den so genannten High-Premium-Futtern vergleicht und möglicherweise eine Kühltruhe hat und Sonderangebote beim Metzger en gros kaufen kann, kommt man sogar deutlich günstiger weg als mit Fertigfutter. Die Kosten pro Tag und Tier liegen etwa bei 0,60 € - 1,40 € (bei 100% barfen).
• Anfangs kostet es etwas Zeit und Geduld, wenn man mehr als 20% barfen will, denn man muss ein paar Dinge lernen und sich anlesen.
• Noch ein Kostenfaktor: Für mehr als 20% Rohfütterung muss man sich die Supplemente anschaffen und eventuell auch noch ein paar Haushaltsgeräte oder Werkzeuge (scharfes Messer, Brettchen, evtl. Fleischwolf, Plastikdosen zum Einfrieren…).
• Viel Geduld braucht man zu Anfang möglicherweise auch, um den Tieren das Rohfleisch schmackhaft zu machen. Viele Tiere halten rohes Fleisch einfach nicht für genießbar und würden uns Dosis (oder Ex-Dosis) am liebsten zum Psychiater schicken, wenn wir stolz das erste rohe Fleisch servieren.

Ein paar wesentliche Grundlagen:

Was füttert man denn so?

Fleisch: Man kann im Prinzip jedes Fleisch roh verfüttern. Grundsätzlich ist jedoch von Schweinefleisch abzuraten, da es in manchen Gegenden Deutschlands Erreger der so genannten „Pseudotollwut“ (Aujetzky’sche Krankheit) enthalten kann, die für den Menschen unschädlich, für Katzen aber tödlich sein kann.

Knochen dürfen auch verfüttert werden, aber niemals gekocht oder gegart, da sie sonst splittern. (Vorsicht beim Auftauen in der Mikrowelle: Knochen garen dabei!)
Hühnerflügel oder -hälse sind sehr beliebt als Knochensnack. Aber: Bitte Vorsicht bei Katzen, die beim fressen gerne mal „schlingen“! Bei komplett verschlungenen Knochenstücken kann schon mal eine Notfallbehandlung fällig werden! (Das ist eher selten, aber möglich.)
Zudem enthalten Knochen neben vielen anderen Stoffen viel Calzium. Das ist sehr wichtig und fehlt, wenn man nur Fleisch ohne Knochen füttert – aber man kann es gut supplementieren (z.B. durch gemahlene Eierschalen). Knochenteile sollten nicht mehr als 30% des Gesamtfutters ausmachen, denn sonst kommt es zu Calzium-Überversorgung und die führt zu Verstopfung und langfristig zu Nierenschäden. Bitte beim kleinen barfen sehr zurückhaltend mit Knochen sein. Im industriellen Futter ist fast immer eine entsprechende Menge Calcium enthalten. Zu viele zusätzliche Knochen bergen hier das Risiko der Überdosierung. Ein Hühnerflügel pro Woche ist aber in Ordnung.

Fisch kann man bis zu 2 Mal pro Woche geben, er wird auch roh sehr gern genommen. Durch Einfrieren vor dem Verzehr sterben Parasiten im Fischfleisch ab. (Katzen können sich – fast – nicht mit Salmonellen infizieren. Ihre Verdauungssäfte töten diese recht zuverlässig ab und die Verdauung an sich geht schnell, so dass die Salmonellen keine Zeit haben, sich niederzulassen.)

Gemüse: Neben Fleisch sollte man einen kleinen Anteil der Nahrung in Form von Gemüse und Getreide (Reis, Weizenkeime u.ä.) anbieten. In der Natur fressen Katzen ja auch z.B. den Mageninhalt von Mäusen, der dann im Endeffekt auch zur Nährstoffversorgung beiträgt. Dieser beträgt allerdings etwa 5%. Bekommt die Katze zusätzlich Trockenfutter, kann man den Gemüseanteil getrost vernachlässigen, denn dieses enthält solche Fasern zu etwa 50%.
Wie füttert man denn so?

Zwischen einer Rohfütterung und einer Fütterung von gegartem Fleisch sollte man immer etwas Zeit verstreichen lassen. Die Verdauungsgeschwindigkeit ist unterschiedlich. In der Gewöhnungsphase ist es aber okay, Dosenfutter und Rohfleisch zu mischen. Das Fleisch sollte in etwa mausgroße Stücke geschnitten sein. Bei „Schlingern“ empfiehlt es sich, kleine längliche „Läppchen“ zu schneiden, die nicht im Ganzen verschlungen werden können. Schließlich sollen die Katzen ja kauen.

Was ist denn „Supplementierung“?

Das wird erst bei einer Rohfleischfütterung von über 20% interessant. In einem Stück Frischfleisch vom Metzger sind eine Menge guter Inhaltsstoffe. Leider aber nicht all das, was frisch gefangene Beutetiere so alles enthalten. Deshalb muss man supplementieren, also bestimmte Stoffe in bestimmter Menge zusetzen. Kurz erklärt:

Wasser und Salz fehlen, weil das Fleisch kein Blut enthält.
Vitamine und Mineralstoffe fehlen, weil das Fleisch nicht frisch ist.
Fett fehlt, wenn man fettarmes Fleisch füttert
Taurin (Eine Aminosäure) fehlt, weil die Maus das Tier mit dem höchsten Tauringehalt ist.
Ballaststoffe fehlen, weil der Mageninhalt der Tiere selten beim Metzger mitverkauft wird.
Calzium fehlt, wenn man nicht etwa 30% Knochenteile füttert.

Wie man genau bei mehr als 20% barfen supplementiert, muss tatsächlich zunächst erlernt werden. Ich möchte an dieser Stelle dringend davon abraten „mal so drauf los zu supplementieren“. Das richtet tatsächlich schnell mehr Schaden als Nutzen an!

Typische Mythen über das Barfen:

„Die Tiere erkranken an Salmonellen“

Die Verdauung von Katzen ist auf die Verarbeitung von rohem Fleisch ausgelegt. Der Verdauungsvorgang ist viel kürzer als bei gekochter Nahrung, daher haben Salmonellen keine Zeit, sich häuslich niederzulassen. Die Magensäure einer gesunden Katze kommt locker mit Salmonellen klar. Nur kranke oder geschwächte Tiere können Probleme mit Salmonellen bekommen, aber auch das nur, wenn sie wirklich ziemlich altes Fleisch fressen würden (Was die meisten Katzen eh nicht anrühren)

„Die Tiere bekommen schlimme Mangelerscheinungen, weil man das Futter nicht so gut hinkriegt, wie die Industrie“

Man kann beim „großen Barfen“ einiges falsch machen. Das kann genauso schlimme Folgen haben, wie einseitige Ernährung mit minderwertigem Industriefutter. Deshalb ist es wichtig ein wenig Bescheid zu wissen über Calzium, Taurin, Wasser, Fett, Salz, Mineralstoffe und Vitamine. Das kann man alles lernen und es ist gar nicht so schwer. Immerhin kann man dann sein Futter genau berechnen und weiß, was man seinem Tier füttert. Dadurch, dass man sich damit etwas eingehender beschäftigt, lernt man nebenbei auch Tierfutteretiketten zu lesen und dann mag man oft den Tieren kein Industriefutter mehr geben.

„Die Tiere stecken sich am Fleisch der Futtertiere mit allen möglichen Krankheiten an.“

Es gibt tatsächlich Krankheiten und Parasiten, die auf diesem Weg übertragbar sind. Da kann man aber leicht Vorsorge treffen: Würmer und ihre Eier, sowie viele andere Krankheitserreger werden durch Einfrieren abgetötet. Füttert man Fleisch, das für den menschlichen Verzehr vorgesehen ist, ist die Gefahr sowieso sehr gering. Die „Pseudotollwut“ ist vom Schweinefleisch auf Haustiere übertragbar. Zwar ist Deutschland angeblich frei von dieser Seuche, aber wer kann schon sicher sein, woher sein Schweinefleisch wirklich stammt? Es wird daher allgemein von der Fütterung von Schweinefleisch abgeraten. Es gibt so viele andere Fleischsorten, die man gefahrlos füttern kann. Weitere Ansteckungsgefahren sind mir zur Zeit nicht bekannt.

„Ich kenne jemanden, dessen Katze/Hund ist an einem Knochen erstickt…“

Wahrscheinlich an einem gegarten Knochen. Geflügelknochen sind elastisch, solange sie roh sind. Rohe Knochen sind sehr gut, weil sie neben dem wichtigen Calzium noch weitere Mineralstoffe enthalten. Hühnerflügel und Hälse werden von vielen Katzen gut angenommen und gerne geknackt. Man sollte aber niemals gegarte Knochen füttern. Diese sind spröde und es entstehen gefährliche Knochensplitter. Achtung: Auch beim Auftauen in der Mikrowelle können Knochen garen! Selten gibt es Katzen, die rohe Knochen „schlingen“ statt zu kauen. Diese Tiere sollten auch keine rohen Knochen bekommen. Es ist aber kein Problem zu barfen ohne Knochen zu füttern. Calcium kann durch viele andere Supplemente ersetzt werden.

„Die Tiere werden wild und aggressiv von rohem Fleisch“

Ich habe unter zahlreichen Barfern und erfahrenen Züchtern, die zum Teil seit mehreren Jahrzehnten barfen, niemanden gefunden, der diesen Mythos hätte bestätigen können. Grundsätzlich sind Tiere, die gut ernährt werden und nicht unter Mangelerscheinungen leiden, lebenslustiger und aktiver als kranke, geschwächte Tiere. Eine Aggressivitätssteigerung wurde allerdings nicht festgestellt. Manche Katzen fressen ihr Rohfleisch knurrend. Das hat weniger mit Aggressivität als mit ganz natürlichem „Spaß am Fressen“ zu tun.

„Meine Katzen fressen so was nicht“

Die wenigsten Katzen akzeptieren auf Anhieb rohes Fleisch als Nahrung. Aufgrund ihrer angeborenen „Neophobie“ fremden Futter gegenüber, sind sie nicht bereit, ein Futter zu nehmen, das in Konsistenz, Geruch und Geschmack sehr von ihrem gewohnten Futter abweicht. Man muss es den Katzen anfangs meist mühsam „schmackhaft machen“. Dazu die folgenden Tipps:

Umstellungstipps:

Das Fleisch leicht überbrühen oder kurz scharf anbraten, so, dass es außen gar und innen roh ist.

Das Fleisch mit zerstoßenen Trockenfutterstückchen garnieren, oder mit „Leckerpaste“ einreiben.

Sehr klein geschnittene Fleischstückchen unter das gewohnte Futter mischen. Die Dosis langsam erhöhen.

Das Fleisch durch „Erlebnisgastronomie“ interessant machen. Die Stückchen werfen, statt in den Napf legen.Das Fleischstückchen aus der hand angeln lassen. „Versehentlich“ bei der Zubereitung mal ein Häppchen fallen lassen und „stehlen“ lassen.

Viel Spaß und Erfolg bei den ersten Versuchen mit Rohfutter!

Empfehlenswerte Literatur:
Leider keine deutschsprachige bekannt.

Weiterführende Links:

Zum ersten Einlesen ist die Ernährungsseite von den
Savannahcats sehr empfehlenswert!

Für diejenigen, die sich ernsthaft mit dem Gedanken tragen, mehr als 20 % roh zu füttern (und demnach Infos zum Supplementieren etc. brauchen), ist es empfehlenswert, sich bei der yahoo-Group
katzen-alternativ anzumelden.

Beim Rechnen helfen einem Calculatoren wie dieser:

http://www.purrfect-paws.de/ke_calc.htm


Hier gibt es Supplemente:

http://www.diekatzenbarfbar.de/

http://www.wuerzburg-shop.de/Lucky-Land/


Hier gibt es „Frostfutter“

http://www.frostfutter.de

http://www.barfershop.de

Quelle: Katzenforum von Petsnature http://www.petsnature.de/phpBB2/kb.php?mode=article&k=49

Autorin: Kirsten Cordes