Rasseportrait Maine Coon  

Naturburschen aus Nordamerika

                                               

Ihren Ursprung hat die Maine Coon im kalten Nordosten Nordamerikas. Um ihre Entstehung ranken sich viele Legenden. Eine davon gab der Maine Coon auch ihren Namen: so sollen sich ganz normale, verwilderte Hauskatzen mit Waschbären (auf Englisch = racoon) verpaart haben. Dadurch sind sie, so die Annahme, zu ihrem halblangen Fell und ihrem buschigen Schwanz gekommen.

Natürlich ist dies genetisch unmöglich, es führte aber dazu, daß ursprünglich nur Katzen in der - heute noch beliebtesten - Farbvariante black-tabby, denn diese sah dem Waschbär am ähnlichsten, als Maine Coons bezeichnet wurden. Ihre Brüder und Schwestern in anderen Farbvarianten bezeichnete man damals als "Maine Shags".
Am wahrscheinlichsten ist es aber wohl, daß Einwanderer und Seeleute ihre langhaarigen Angorakatzen mit nach Amerika brachten und diese sich dann mit einheimischen Katzen paarten. Das rauhe Klima begünstigte eine schnelle Anpassung in Form eines dichten, wärmenden und wasserabweisenden Felles mit Fellbüscheln unter den Füßen, die als Art Schneeschuh dienen und das Einsinken in hohen Schnee verhindern. Das es sowohl in Nordamerika als auch in Skandinavien und Sibirien ähnliche Katzen gibt, läßt natürlich auch die Vermutung zu, daß vielleicht die Wickinger längst vor Kolumbus die neue Welt entdeckten und ihre Katzen mitbrachten.
Bei den Farmern war die Maine Coon als hervorragender Mäusefänger jedenfalls sehr schnell beliebt. Und da es dort schon sehr lange Tradition ist, auf landwirtschaftlichen Wettbewerben vom größten Kürbis bis zum leckersten Blaubeertörtchen alles zu prämieren, wurden auch bald die ersten Maine Coons von ihren stolzen Besitzern gezeigt. Die erste Maine Coon, die jemals namentlich in der Literatur erwähnt wurde, war ein schwarz-weißer Kater mit dem Namen "Captain Jenks of the Horse Marines" im Jahre 1861. Im Jahre 1895 bei der großen Katzenausstellung im New Yorker Madison Square Garden gewann "Cosie", eine Maine-Coon-Kätzin, den Titel "Best Cat".
Leider interessierte man sich unter den Züchtern in Amerika zu Beginn dieses Jahrhunderts mehr für die in Mode kommenden Perserkatzen. Die Maine Coon hatte sich schon fast gänzlich wieder auf ihre Rolle als "Working Cat" (= Arbeitskatze) auf den Farmen Nordamerikas zurückgezogen, als Anfang der Fünfziger Jahre einige Züchter sich dieser "neuen alten" Rasse wieder annahmen. Seitdem 1968 sechs engagierte Züchter in den USA die MCBFA (Maine Coon Breeders & Fanciers Association) gründeten, ging es mit der Popularität dieser wundervollen Halblanghaar-Rasse wieder ständig bergauf. Es erfolgte 1976 die Anerkennung als Rassekatze in Amerika durch die CFA (Cat Fanciers Association). Die im Jahre 1983 ebenfalls erfolgte Anerkennung der FIFé ebnete auch in Deutschland und den anderen europäischen Ländern den Weg der Maine Coons in die Herzen der Katzenliebhaber und Züchter.
Die ersten Maine Coons, mit denen in Deutschland gezüchtet wurde, waren die beiden Kätzinnen "Gemutlichkat Lotte" in der Farbe Black Smoke und "Ktaadn’s Samantha" in der Farbe Black-Tortie-White sowie der Black-Tabby-Kater "Heidi Ho’s Jonathan". Sie sind heute noch in vielen Stammbäumen der Katzen zu finden, die ihre Existenz nicht ausschließlich auf neuere US-Importe zurückführen.
Die Maine Coon fand auch bei uns sehr schnell viele Freunde und entwickelte sich seit Beginn der neunziger Jahre zu einer Moderasse. Daß eine solche Entwicklung nicht nur Vorteile mit sich bringt, ist hinlänglich auch von anderen Rassen bekannt. Von Ausstellung zu Ausstellung wuchs die Zahl der gemeldeten Maine Coons kontinuierlich an. Und mit der Anzahl stieg auch das unterschiedliche Erscheinungsbild, das sich dem Betrachter bot, so daß man manchmal Zweifel hatte, hier noch ein- und dieselbe Katzenrasse vor sich zu sehen. Da gab es von gedrungen wirkenden, perserähnlichen Tieren bis hin zu fledermausohrigen, orientalisch wirkenden Geschöpfen nahezu alle Variationen zu sehen. Die erste Variante, die Maine Coons, die eigentlich eher einer Perserkatze mit Nase ähnelten, wurden fälschlicherweise oft als "der alte Typ" bezeichnet. Daß dies nicht stimmt, beweisen Aufnahmen aus den Siebziger Jahren, auf denen Maine Coons zu sehen sind, die ganz dem Typ entsprechen, der heute noch in USA und auch hierzulande bevorzugt wird. Wie sich dann die Tiere in Deutschland bis Anfang der Neunziger Jahre so weit von ihren amerikanischen Originalen weg entwickeln konnten, darüber kann man wohl heute nur noch Vermutungen anstellen.
Um dem ganzen Wirrwarr in Europa ein Ende zu setzen, wurde der FIFé Standard Mitte der Neunziger Jahre neu gefaßt. Er beschreibt uns die Maine Coon wie folgt: Der Kopf soll von mittlerer Größe sein und einen kantigen Umriß haben. Im Profil soll die Nase eine sanfte konkave Wölbung haben und die Stirn sanft gebogen sein. Die Wangenknochen sind hochstehend und hervorgehoben. Das Gesicht und die Nase sind von mittlerer Länge mit einem kantigen Schnauzenumriß. Das Kinn ist fest und verläuft in einer senkrechten Linie mit Nase und Oberlippe. Die Ohren sind groß, breit im Ansatz und mäßig spitz zulaufend. Luchspinsel sind erwünscht. Plaziert sind sie hoch am Kopf stehend mit einer ganz leichten nach außen gerichteten Neigung. Die Augen sind groß, leicht oval, aber nicht mandelförmig. Eine klare Augenfarbe ist wünschenswert. Der Nacken ist muskulös und stark. Der Körper ist lang, rechteckig, von starkem Knochenbau und Muskulatur. Er soll großformatig sein und mit allen anderen Körperteilen im Gleichgewicht liegen. Die Beine sind kräftig und von mittlerer Länge, damit sie mit dem Körper zusammen ein Rechteck bilden. Die Pfoten sind groß, rund und zwischen den Zehen sitzen die typischen Fellbüschel. Der Schwanz soll mindestens so lang sein wie der Körper vom Schulterblatt bis zum Schwanzansatz. Er ist breit am Ansatz, zum Ende hin spitz zulaufend und mit vollem, wehendem Haar befedert. Das Fell ist wasserabweisend, dicht, kurz am Kopf, den Schultern und den Beinen. Entlang des Rückens und an den Seiten nach hinten länger werdend. Die Hinterbeine stecken in dichten "Pluderhosen". Eine Halskrause wird erwartet. Insgesamt ist das Fell glatt und fühlt sich seidig an.
Die Maine Coon gibt es in vielen Farbschlägen, auch jeder Weißanteil ist erlaubt. Nur die Farben Chocolate, Cinnamon, Lilac, Fawn, den Burmafarben und des Colourpoint-Faktors sind nicht erlaubt und würden bei Vorhandensein auf eine Einkreuzung von Fremdrassen hindeuten. Ob diese Farben bereits in der Maine Coon vorhanden sind oder nicht, darüber entbrannte bereits Anfang der Neunziger Jahre eine leidenschaftliche Diskussion auch unter den deutschen Züchtern. Ganze Linien wurden damals verdächtigt, mit Colourpoint-Persern durchkreuzt worden zu sein, letztlich bewiesen wurde dieser Verdacht jedoch nie.
Eine Maine Coon entwickelt sich sehr langsam und braucht drei bis vier Jahre, bis sie ihre Größe und Statur erreicht hat. Ein ausgewachsener Kater kann gut und gerne acht Kilo wiegen, die Katzen zwischen vier und sechs Kilo. Ausreißer nach unten oder nach oben in der Gewichtstabelle kommen immer wieder vor, doch kann man eine Maine Coon nicht allein an ihrem Gewicht messen. Auch die so beliebte Halskrause entwickelt sich bei manchen Tieren nicht gleich im ersten Lebensjahr, sondern braucht etwas länger. Auch die Jahreszeiten spielen bei der Fellbeschaffenheit eine Rolle. Bei Tieren, die die Möglichkeit haben, in einem Freigehege oder auf dem gesicherten Balkon regelmäßig Frischluft zu tanken, ist das Fell im Sommer kürzer und dünner als im Winter. Bei reinen Wohnungskatzen hingegen dreht sich das Geschehen schon einmal um: Während der Heizperiode im Winter haaren sie ab, um uns dann im Sommer mit einer wunderschönen Halskrause zu erfreuen - aber einem gesunden und robusten Tier bereitet auch dieser Umstand keine Probleme.
Heute wird auf deutschen Ausstellungen meistens der sogenannte Ferraltype, also der ausgeprägte Wildkatzenlook, bei der Preisvergabe bevorzugt. Neben den immer noch auftretenden kurzköpfigen Typen gibt es aber auch noch die gesunde Mischung, nämlich den moderaten, amerikanischen Typ, wie er vorzugsweise in den USA gezüchtet wird. Moderat bedeutet zwar einen längeren Kopf, aber einen nicht ganz so wilden Gesichtsausdruck. Er entspricht eben den bereits erwähnten älteren Abbildungen und kommt wohl der "naturbelassensten" Maine Coon am nächsten. Aber egal, ob eine Maine Coon nun eher moderat oder ferral dreinschaut - ein freundliches Wesen ist ihr in die Wiege gelegt.
Die Maine Coon hat ein temperamentvolles und geselliges Wesen. Sie liebt es, die höchsten Kletterbäume zu erklimmen und mit einem Bällchen durch das ganze Haus zu toben. Ein stets gut gefüllter Korb mit Spielsachen ist zu empfehlen, damit nicht irgendwann der Deko-Blumenstrauß die Aufmerksamkeit des Hausgenossen findet, denn Maine Coons sind sehr verspielt und fordern auch immer wieder ihre Besitzer auf, sich mit ihnen zu beschäftigen. Besser natürlich noch als nur normales Spielzeug ist ein lebendiger Kamerad - und hier zeigt sich eine Maine Coon wahrhaft tolerant, denn auch wenn sie gerne mit Artgenossen spielt, schmust und tobt - es muß nicht unbedingt ihresgleichen sein. Eine große Freundschaft baut sie anscheinend auch immer wieder zu (natürlich katzenfreundlichen) Hunden auf. Sie ist daher die ideale Katze für den Haushalt, in dem man sich nicht zwischen Hund und Katze entscheiden, sondern beide Tiere halten möchte. Viele Coonies lieben Wasser und apportieren Bälle, was ihr ohnehin schon den Ruf einbrachte, der Hund unter den Katzen zu sein. Vielleicht auch deshalb hat gerade die Maine Coon viele einstige "Nur-Hunde-Liebhaber" davon überzeugt, daß auch Katzen der Menschen "bester Freund" sein können.
Was eine Maine Coon ganz sicher braucht, ist die Liebe und Zuwendung ihrer oder ihres Menschen. Auch wenn mehrere Tiere gehalten werden, ist der menschliche Kontakt sehr wichtig, und eine Maine Coon kann schon fast aufdringlich schmusen und diesbezüglich ihre Rechte schon fast penetrant einfordern. Seriöse Züchter tragen diesem ausgeprägten Sozialverhalten dadurch Rechnung, daß sie den Kitten vom ersten Tag an viel menschlichen Kontakt vermitteln. Tiere, die in einem so intensiven Kontakt zum Menschen groß werden und nicht in großen Gruppen profitabel vermehrt werden, lassen sich gerne vom Menschen auf den Arm nehmen und durchkraulen. Und abends beim Fernsehen ist der Bauch ihres Menschen ohnehin der bevorzugte Liegeplatz. Solche Zuwendung werden sie ihren Besitzern mit einer lebenslangen Zuneigung danken.
Die Maine Coon - sie ist eine wahrhaft majestätische Erscheinung. Die Natur hat ihr so viele positive Eigenschaften mitgegeben, daß wir Züchter dem eigentlich nichts mehr hinzufügen müssen. Ihre wilde Schönheit, ihr bezauberndes Wesen - wer sich einmal in sie verliebt hat, wird ihr auf ewig verfallen sein. Bewahren wir diese Eigenschaften - verbessern müssen wir sie nicht mehr.

Quelle:
Katzen Extra Zuchtbuch -

Irina Christina Saparautzki

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